Georg
Britting wurde 1891 in Regensburg geboren und verbrachte Kindheit und Jugend
in der alten Stadt an der Donau.
Zu seinen bekanntesten Büchern
gehört »Die kleine Welt am Strom.«
1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger,
wurde 1918 als Leutnant schwer verwundet, gab von 1919 – 1920 in seiner
Heimatstadt eine expressionistische Zeitschrift DIE SICHEL heraus und zog
1921 nach München. Von diesem Zeitpunkt an lebte er bis zu seinem
Tode 1964 dort als freier Schriftsteller ohne feste Einkünfte und
bis zu seinem 60. Lebensjahr in möblierten Zimmern. Er wurde Mitarbeiter
in den Feuilletons verschiedener bedeutender Zeitungen und Zeitschriften,
schrieb Theaterstücke, Prosa und Gedichte; 1930 bereiste er Bosnien,
die Herzegowina, Montenegro und Albanien.
Sein einziger Roman, 1932 erschienen,
trägt den Titel »Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet
hieß.« Er wurde ins Französische, Holländische und
Polnische übersetzt.
In Abständen erschienen
während dreier Jahrzehnte seine Gedichtausgaben »Der irdische
Tag«, »Rabe, Roß und Hahn« »Lob des Weines«,
»Unter hohen Bäumen« und »Die Begegnung«.
Postum noch »Der unverstörte Kalender«.
Von den Erzählungsbänden
seien genannt »Der verlachte Hiob«, »Das gerettete Bild«,
»Das treue Eheweib«, »Der Schneckenweg«, »Afrikanische
Elegie« u.a.
Als politisch unbelastet eingestuft,
konnte Britting nach dem Krieg sofort wieder publizieren, wurde 1948 Gründungsmitglied
der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, erhielt im Lauf
der Jahre den Bayerischen Verdienstorden, das große Bundesverdienstkreuz
und eine Reihe bedeutender literarischer Preise. Er ist lebenslang viel
gereist, mit sparsamen Mitteln, vor allem in Italien, war wiederholt in
Rom, später jährlich in Verona, wo ihn die dortige Presse jeweils
als kulturellen Vermittler deutsch-italienischer Beziehungen, gerade auch
zwischen Verona und München, begrüßte.
Kurz nach seinem
60. Geburtstag bezog er mit seiner viel jüngeren Frau eine kleine
Dachwohnung am Sankt–Anna–Platz 10, im Herzen Altmünchens, dem
Lehel, gelegen, ein sogenanntes Künstlerhaus, das der Stadt gehörte
und im Krieg teilweise zerstört worden war. Der damalige Kulturbeauftrage
Hans-Ludwig Held veranlaßte dessen Wiederaufbau, um ausgebombte Münchner
Maler oder Schriftsteller, bezw. solche, die einer Wohnung bedürftig
waren, dort unterzubringen. Hier entstanden Brittings späte Erzählungen
und eine Reihe von Gedichten in antikem Versmaß.
Zu seinem 70. Geburtstag würdigte
ihn Curt Hohoff in der "Süddeutschen Zeitung" unter dem Titel Kein
Zugeständnis an den Zeitgeist:
[...] Er hat nie Vorträge
gehalten, nie Essays geschrieben, nie eine Redaktion aufgesucht, keine
Politik anerkannt. Er hat kriegerische und zivile Orden bekommen, etliche
Preise empfangen, hat zurückgezogen gelebt und gearbeitet, Zigarren
und Virginia rauchend, abends Bier und Wein trinkend, eine männliche
Vollnatur von schärfstem Verstand und Urteil, messerscharfem Hohn
auf alle ›Planer‹ und dichterischem Gedächtnis. Er lebt, wie seine
Hechte in ritterlicher Tiefe, doch manchmal sieht man es im Wasser blitzen.
Der
See
Ruhig atmet der See, kindergesichtig,
fromm
Glänzend. Du aber weißt,
was in der Tiefe haust:
Schwarze Fische, der Waller
Und der mächtige Raubfisch
Hecht.
Manchmal steigt aus der Flut
silbern die Blase auf,
Manchmal rührt in der Bucht
singend das Schilfrohr sich:
Jagt jetzt unten am Grunde
Grausam hetzend der Raubfisch
Hecht?
Georg Britting starb 1964 im 73.
Lebensjahr am Annaplatz.
 |